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Equines Asthma & EquiSteamer

Equines Asthma beginnt oft leise – mit gelegentlichem Husten, das niemand ernst nimmt. Bis die Diagnose steht hat die Erkrankung oft schon Spuren hinterlassen. Was du wissen musst und was du tun ka...

02. April 2026
4 Min. Lesezeit

Was ist Equines Asthma?

Equines Asthma ist der moderne Oberbegriff für chronische, nicht-infektiöse Atemwegserkrankungen beim Pferd. Was früher als COPD, Dämpfigkeit oder Chronische Obstruktive Bronchitis bezeichnet wurde fällt heute unter diesen Begriff – unterteilt in milde bis moderate Formen und schwere Verlaufsformen.

Equines Asthma ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung beim Pferd. Studien zeigen dass bis zu 14% der Freizeitpferde in Mitteleuropa Symptome einer Atemwegserkrankung zeigen – viele davon ohne dass die Besitzer die Diagnose kennen.

Wie entsteht Equines Asthma?

Die Erkrankung entsteht durch anhaltende Exposition gegenüber allergenen Partikeln in der Stallluft und im Heu. Pilzsporen, Schimmelpilze, Milben, Bakterienendotoxine und organischer Staub sind die Hauptauslöser. Das Immunsystem der Atemwege reagiert auf diese Dauerstimulation mit chronischer Entzündung der Bronchien – die Atemwege werden enger, die Schleimproduktion erhöht sich, die Lungenkapazität sinkt.

Entscheidend: Equines Asthma ist keine Infektionskrankheit. Es gibt kein Anstecken von Pferd zu Pferd. Die Erkrankung entsteht durch die Umgebung – und kann durch eine konsequente Anpassung der Umgebung maßgeblich beeinflusst werden.

Symptome – woran erkennst du Equines Asthma?

  • Chronischer Husten – trocken, bellend, besonders morgens beim Fressen oder zu Beginn des Reitens
  • Nasenausfluss – klar bis leicht schleimig, meist beidseitig
  • Sinkende Leistungsbereitschaft – das Pferd kommt schneller aus der Puste
  • Erhöhte Atemfrequenz in Ruhe – mehr als 16 Atemzüge pro Minute ist ein Warnsignal
  • Sichtbare Flankenatmung – bei schweren Verlaufsformen hebt und senkt sich die Flanke sichtbar bei jedem Atemzug
  • Keuchlinie – bei länger bestehender schwerer Erkrankung bildet sich eine sichtbare Muskellinie entlang des Bauchs
Früherkennung entscheidet

Equines Asthma ist in frühen Stadien deutlich besser beherrschbar als in fortgeschrittenen. Wer bei chronischem Husten früh zum Tierarzt geht und das Allergenmanagement konsequent umsetzt kann die Progression der Erkrankung oft langfristig aufhalten.

Diagnose – was macht der Tierarzt?

Die Diagnose Equines Asthma wird vom Tierarzt gestellt – durch klinische Untersuchung, Abhören der Lunge und bei Bedarf durch eine bronchoalveoläre Lavage (BAL). Dabei wird eine kleine Menge Spülflüssigkeit in die Lunge eingebracht und wieder abgesaugt – die Zusammensetzung der Zellen gibt Aufschluss über Art und Schwere der Entzündung.

Eigendiagnose ist nicht möglich. Bei dauerhaftem Husten oder Leistungsabfall ist ein Tierarztbesuch der erste und wichtigste Schritt.

Management – was kannst du tun?

Equines Asthma ist nicht heilbar – aber gut managebar. Das Ziel ist die dauerhafte Reduktion der allergenen Belastung und die Kontrolle der Entzündungsreaktion. Drei Säulen tragen dieses Management:

Säule 1: Allergenreduktion im Stall

  • Heu bedampfen – die Hauptquelle für allergene Pilzsporen und Staub ist das Heu. Bedampfen bei 80–100 °C reduziert die Keimbelastung drastisch. Für Pferde mit Equinem Asthma ist dies die wichtigste Sofortmaßnahme
  • Einstreu wechseln – von Stroh auf Sägespäne, Strohpellets oder Gummiboden. Stroh hat eine deutlich höhere Pilzsporenbelastung als alternative Einstreumaterialien
  • Stallbelüftung verbessern – frische Luft ist für Atemwegspatienten entscheidend. So viel Auslauf wie möglich, keine abgeschlossenen Boxen ohne Luftzirkulation
  • Heu vom Boden füttern – nicht aus der Raufe über Kopf. Die natürliche Kopf-nach-unten-Haltung fördert den Abfluss von Schleim aus den Atemwegen

Säule 2: Medikamentöse Behandlung

Vom Tierarzt verordnet je nach Schwere der Erkrankung. Bronchodilatatoren weiten die verengten Bronchien, Kortikosteroide dämpfen die chronische Entzündung. Inhalationstherapie direkt in die Lunge ist die schonendste und wirksamste Form der Verabreichung.

Säule 3: Bewegung und Auslauf

Regelmäßige Bewegung an frischer Luft fördert die natürliche Selbstreinigung der Atemwege und hält die Lungenkapazität. Pferde die viel Auslauf haben entwickeln seltener schwere Verlaufsformen.

Warum ist Heubedampfen so zentral beim Equinen Asthma?

Heu ist in den meisten Haltungsformen die Hauptquelle für Pilzsporen und organischen Staub in der Atemluft des Pferdes. Auch optisch einwandfreies Heu enthält Millionen von Partikeln pro Gramm die beim Fressen aufgewirbelt werden und direkt in die Bronchien gelangen.

Heubedampfen bei 80–100 °C inaktiviert diese Partikel an der Quelle. Das bedeutet: Jede bedampfte Mahlzeit ist eine Mahlzeit die die Atemwege deines Pferdes nicht zusätzlich belastet. Täglich. 365 Tage im Jahr.

„Equines Asthma beginnt leise. Das Management beginnt beim Heu."

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